2011 kein gutes Jahr für Open Source?

Auch für Open Source war 2011 ein turbulentes Jahr. Doch so schlecht, wie man aufgrund der Aussagen von Bruce Byfield meinen mag, war es dann auch nicht.

Der renommierte Journalist im Linux-Umfeld, Bruce Byfield, hat das Jahr 2011 aus Open-Source-Sicht als Enttäuschung bezeichnet. Es hätte zwar keine wirklichen Katastrophen gegeben, dennoch war dieses Jahr durch eine Menge Enttäuschungen gezeichnet. Einzig die einigen glücklichen Entwicklungen in diesem Jahr konnten dies wieder abmildern.

Eine große Belastung, die 2011 scheinbar verstärkt wurde, ist die schon seit langem bestehende Bedrohung durch Patente. Auch die in den USA durchgeführte Gesetzesreform ließ die meisten Patenmissstände außer Acht. Microsoft konnte beispielsweiße Hersteller von Android-Geräten bedrohen und abkassieren. Das ACTA-Gesetz, das als halb-geheim gilt, trat in Kraft. Dieses könnte eventuell verschiedene Aspekte der freien Software kriminalisieren. Neben diesen Gesetzesänderungen sind weitere Gesetze in Arbeit, die aber die Schäden durch Raubkopierer unbeachtet lassen. Nach Byfields Meinung könnten diese Gesetze der Grund dafür sein, warum es dieses Jahr doch sehr ruhig bei Open-Source-Unternehmen war.

Die Gründung von Xamarin, welches die kommerziellen Produkte auf Basis von Mono für die Mobil-Betriebssysteme iOS (MonoTouch) und Android (MonoDroid) entwickelt und vertreibt, war eine der positiven Entwicklungen des Jahres. Doch der Rest sieht eher düster aus. Attachmate übernahm Novell, Nokia verließ MeeGo. Der daraufhin vorgestellte Nachfolger Tizen gilt bei einigen Kommentatoren als „Totgeburt“. HP machte WebOS zu einem freien Projekt, doch die Entwicklung für die Zukunft ist und bleibt ungewiss.

Eine Schädigung des Rufs von Linux und eine zeitweise Behinderung für die Zusammenarbeit sieht Byfield in der Kompromittierung der Server von Kernel.org und der Linux Foundation. Einen steilen Abstieg erlebte Bitcoin, obwohl dieses eine Zeitlang von der EFF empfohlen wurde.

Auch einen Abstieg mussten einige Gemeinschaftsprojekte erfahren. Google Chrome kam 2011 auf den gleichen Marktanteil wie Firefox. Die Reaktion von Mozilla, die Veröffentlichungsfrequenz zu erhöhen, wurde nicht von allen Nutzern willkommen geheißen.

Neben diesen eher negativen Entwicklungen, erlebte OpenOffice.org die wohl größte Talfahrt des Jahres. Es wurde der Apache Foundation übergeben und hat nun als Inkubator-Projekt einige Arbeiten zu leisten, um offizielles Apache-Projekt zu werden. Einigen Meinungen zufolge wird OpenOffice.org den Inkubator vielleicht nie verlassen, und nach einem Code-Audit noch eine letzte Veröffentlichung machen. Die nützlichen Teile davon könnten von LibreOffice übernommen werden. Wenigstens der Aufstieg von LibreOffice stellt eine positive Entwicklung 2011 dar.

Auch der Versuch, die Beteiligung von Frauen in freien Software zu erhöhen, ist nach Byfield nicht zufriedenstellend gelungen. Der einzige Erfolg der Ada-Initiative sei gewesen, dass sich verschiedene Konferenzen verpflichtet hätten, gegen Belästigung von Frauen vorzugehen. Doch das Projekt habe viele Spendengelder gekostet und habe im Endeffekt nicht viel erreicht. Dies könnte besser werden, wenn die Initiative als gemeinnützige Organisation eingetragen ist.

Neben diesen vernichtenden Aussagen über die Entwicklungen im Jahr 2011, hebt Byfield auch die Bemühungen von Debian heraus, die sich das ganze Jahr neu erfunden haben mit der Zusammenarbeit mit den auf Debian beruhenden Distributionen und der neuen Mitgliedschaft.

Auch die technologische Entwicklung werden von Byfield eher schlecht beurteilt. Vor allem die Kontroverse um Gnome und Unity wirft Fragen auf. Die von beiden entwickelten Oberflächen, die sich auch für Mobilgeräte mit kleinen Bildschirmen geeignet machen sollten, wurden auf dem Desktop heftig abgelehnt, woran man laut Byfield die schlechte Kommunikation zwischen den Entwicklern und Benutzern bemerkt. Vor allem der Alleingang von Ubuntu durch Unity regt zum Nachdenken an, warum Canonical nicht fähig war, mit Gnome zusammenzuarbeiten.

Auch die Notwendigkeit von 3D-Hardwarebeschleunigung für Gnome und Unity ist nicht ganz klar, denn in manchen Umgebungen existieren noch keine freien Treiber. Doch die Frage wird hinfällig, wenn man bedenkt, dass Gnome voraussichtlich in Version 3.4 und Unity bereits seit Ubuntu 11.10 keine 3D-Hardwarebeschleunigung mehr benötigt. Die Gemeinschaft half sich selbst mit Erweiterungen zur Gnome-Shell und Unity, und dass Alternativen wie Xfce und LXDE neue Beachtungen fanden.

Im Großen und Ganzen kommt Byfield für das Jahr 2011 zu dem Schluss, dass man an den Entwicklungen sehen kann, wie robust freie und Open-Source-Software gegen Rückschläge ist. Seiner Aussage nach, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass das Jahr 2012, je nach dem, besser oder noch besser wird. So schlecht kann das Jahr 2011 also gar nicht gewesen sein für Open Source.

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